Es ist morgen früh. Der Nebel zieht über die Weide, die Sonne versucht, sich durch die Wolken ihren Weg zu bahnen. Es herrscht eine mystische Morgenstimmung. Normalerweise bin ich nicht so früh im Stall. Aber ich habe Hütedienst. Hütedienst, weil die Integration von Lord in die Herde einen kleinen Rückschritt gemacht hat.
Bis vor Kurzem ist alles gut gelaufen: Lord ist selbstbewusst und intelligent. Die Herde akzeptierte den Neuankömmling relativ rasch. Sogar Chef Skaevadur macht einen grossen Bogen um ihn. Doch dann kam das für mich Unverständliche: der sonst so nette Andi zoffte sich mit Lord. Bisswunden zieren das Fell der beiden Isländer. Grössere Verletzungen gab es zum Glück nicht.
Drum bin ich so früh hier. Beobachte die Herde auf der Weide. Und habe Zeit, die vergangenen Monate, seit Lord hier angekommen ist, Revue passieren zu lassen.
Die letzte Zeit war intensiv. Lord musste sich an den neuen Alltag und sein neues Daheim gewöhnen. Auch die anderen Therapiepferde mussten sich an den Jungspund gewöhnen. Mit regelmässigen Spaziergängen auf dem Bauernhof lernte Lord sein neues Daheim kennen. Wir machen regelmässig Bodenarbeit, was das Vertrauen, Respekt und Sicherheit zwischen Mensch und Tier fördert. Und Lord wird - wie bisher - als Reitpferd ausgebildet. Ich nehme regelmässig Reitstunden bei einer renommierten Jungpferdeausbildnerin.