Jahresbericht 2008
BERICHT DER STIFTUNGSRATSPRÄSIDENTIN
«Nichts ist so beständig wie der Wandel». Mit diesem uralten Zitat von Heraklit von Ephesus be-ginne ich meinen aktuellen Jahresbericht, stand doch für mich als Stiftungsratspräsidentin auch das 2009 im Zeichen zahlreicher Veränderungen.
Bereits vor einem Jahr habe ich schweren Herzens von drei langjährigen und äusserst kompetenten Mitgliedern des Stiftungsrates Abschied nehmen müssen. In ihre Fusstapfen zu treten war für ihre Nachfolgerinnen und Nachfolger nicht ganz einfach. Trotzdem darf ich heute mit Freude darauf hinweisen, dass sich diese in unserem Stiftungsrat bereits bestens eingelebt haben. Sie brachten mit ihrer Motivation frischen Wind in unser Gremium. Ein bekanntes chinesisches Sprichwort stellt zu diesem Thema treffend fest: «Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen». Wir haben – um es sinnbildlich auszudrücken – nicht zuletzt dank unseren neuen Mitgliedern einige Windmühlen gebaut und den neuen Schwung in positive Resultate umgemünzt.
Unter der kompetenten Leitung von Frau Fürsprecherin und Notarin Rahel Leimer haben wir zunächst unsere Statuten vollständig überarbeitet. Als die bisherigen Statuten in Kraft traten, sprach beispielsweise noch niemand von einer Kostenstellenrechnung und von jährlichen Leistungsverträgen mit der Fürsorge- und Gemeindedirektion des Kantons Bern. Auch die wertvollen Begegnungsanlässe des Stiftungsrates mit den Mitarbeitenden unserer Institution waren damals noch unbekannt. Dafür gab es früher ein äusserst umfangreiches Regelwerk, das dem heute wichtigen Grundsatz der «schlanken Strukturen» widersprach. Mit dem Entscheid, unsere Statuten mit der Schaffung eines neuen Organisationsreglements sinnvoll zu ergänzen, haben wir eines unserer Ziele erreicht: Während nämlich eine Statutenrevision stets der Genehmigung durch die Stiftungsaufsicht bedarf, ist für die Änderung des Organisationsreglements «nur» ein Beschluss des Stiftungsrates erforderlich. Dass dies effizienter ist, liegt sicher auf der Hand. Im Zuge der Restrukturierungen wurden schliesslich die bisherigen Kommissionen durch die Schaffung eines neuen Stiftungsratsausschusses ersetzt. Diesem gehören neben mir als Präsidentin die Herren Hans-Jürg Klopfstein, Vizepräsident, Adrian Lerf und Markus Zwicker an.
Auch unser Leitbild bedurfte aus verschiedenen Gründen ein so genanntes «face lifting». Unter der kompetenten Federführung von Frau Eva Bichsel
erarbeitete der Stiftungsrat seine Zukunftsvisionen. Nach intensiven und spannenden Diskussionen liegt nun ein verdichtetes und den heutigen Anforderungen angepasstes Leitbild vor, das im Moment mitten in der Vernehmlassung steckt. Ich bin optimistisch, dass ich in meinem nächsten Jahresbericht auch diesbezüglich von einem bestens gelungenen Abschluss berichten kann.
Bereits heute darf ich mit Freude darauf hinweisen, dass wir im Berichtsjahr mit Mitteln des Stiftungsvermögens einen Teil der Schäferei, das heisst das westlich an unser Grundstück angrenzende Gelände, erwerben konnten. Die Erweiterung unserer Parzelle um rund 3000 m2 ermöglicht es uns, die Zukunft unserer Institution bestmöglich zu sichern. Es ist mir ein Bedürfnis, allen involvierten Verhandlungspartnern des Kantons und der Gemeinde Zollikofen für das uns entgegengebrachte Wohlwollen sowie meinen Kolleginnen und Kollegen des Stiftungsrates, die dieses Geschäft aktiv begleiteten, sehr herzlich zu danken.
Ein freudiger Anlass fand am 12. September 2009 mit der Einweihung des Neubaus statt. Nach dem Motto «Was lange währt, wird endlich gut» durften wir nicht zuletzt dank der Unterstützung eines uns wohlgesinnten Wettergottes bei bester Laune ein tolles Fest feiern. Nebst den kabarettistisch eingerahmten Eröffnungsreden vor illustrem Publikum kamen auch die eher kulinarischen Genüssen oder dem Spiel zugeneigten Besucher voll auf ihre Rechnung. Ein informativer Rundgang durch die äusserst ansprechenden Räumlichkeiten des Erweiterungsbaus rundete das Fest würdig ab. An dieser Stelle möchte ich ganz besonders die tolle Arbeit von Herrn Peter Winter, unseres Baukommissions-präsidenten, Herrn Rolf Mühlethaler, unseres Architekten und aller beim Neubau Mitbeteiligten hervorheben. Sie haben das Bauprojekt über viele Jahre kompetent und mit viel Fingerspitzengefühl begleitet und zu einem mehr als nur gelungenen Abschluss geführt. Merci viu mau!
Auch im vergangenen Jahr mussten wir uns von einer langjährigen, geschätzten Stiftungsrätin verabschieden. Nach rund 10-jähriger wertvoller Mitarbeit hat Frau Doris Thüler per Ende 2009 ihren Rücktritt eingereicht. Mit ihrem profunden Fachwissen und grossem Engagement hat sie unter anderem den illustrierten Katalog zu den Pflanzen des Sinnesgartens überarbeitet und sinnvoll ergänzt. Wir verlieren mit ihr zudem ein Mitglied, das immer dann das Wort ergriffen hatte, wenn es wirklich etwas zu sagen gab. Ihre dezidierten Wortmeldungen und ihre kompetente Mitarbeit sowohl in der Betriebskommission als auch im Stiftungsrat werden uns in bester Erinnerung bleiben. Ich möchte ihr auch im Namen der Stiftung herzlich für das grosse Engagement danken und wünsche ihr für die Zukunft viel «Gfröits».
In einer Institution wie der unsrigen gibt es auch immer wieder weniger Erfreuliches und sogar Trau-riges zu berichten. So mussten wir Im Frühling vom Hinschied von Herrn Hans Wüthrich Kenntnis nehmen. Er prägte zunächst als erfolgreicher Vorsteher (1959–1984) und später als Stiftungsratsprä-sident (1984–1995) die Stiftung nachhaltig. Einige von uns haben ihn noch persönlich gekannt, mit ihm zusammengearbeitet und ihm schliesslich am Trauergottesdienst die letzte Ehre erwiesen. Wir werden Hans Wüthrich in dankbarer Erinnerung behalten.
Wie üblich schliesse ich meinen Jahresbericht mit einem aufrichtigen Dank: Zunächst möchte ich auch an dieser Stelle allen Mitgliedern des Stiftungsrates für ihre wertvolle und engagierte Arbeit herzlich danken. Ich weiss, wie viel Zeit und Herzblut alle in die Arbeit zugunsten unserer Stiftung gesteckt haben. Speziell danken möchte ich auch unserm initiativen Direktor, Herrn Christian Nie-derhauser, den Mitgliedern der Geschäftsleitung sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich auch im 2009 für unsere Institution und die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen eingesetzt haben. In diesen Dank einschliessen möchte ich schliesslich die Elternvertreterinnen und -vertreter, die zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfer sowie die Gönnerinnen und Gönner, welche unsere Institution immer wieder auf unterschiedlichste Art und Weise unterstützen. Bedanken möchte ich mich last but not least bei den uns stets wohlgesinnten Behörden des Kantons Bern und der Gemeinde Zollikofen.
Die Stiftungsratspräsidentin
Vreni Augsburger-Herzig
BERICHT DES DIREKTORS
Als Lernende Organisation befinden wir uns stets im Wandel, nehmen relevante Umweltveränderungen auf und entwickeln uns konsequent weiter, mit dem Ziel, unseren Stiftungszweck bestmöglich und nachhaltig zu erfüllen. Das neu überarbeitete Leitbild, soviel steht bereits fest, wird damit einen zentralen Begriff aufnehmen, welcher für unseren Betrieb in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen und handlungsleitenden Charakter erlangt hat. Davon zeugen auch die im Folgenden ausgewählten Schwerpunkte für das Jahr 2009.
Familienpolitik spielt in den Richtlinien der aktuellen Regierungspolitik des Kantons Bern eine Schlüsselrolle. Die öffentlichen Schulen führen seit 2008 ein Tagesschulangebot für die Betreuung der Kinder während den unterrichtsfreien Schulblockzeiten. Als erste Institution im Bereich der Sonderpädagogik haben wir die Initiative ergriffen und in Absprache mit dem Kanton ein Pilotprojekt gestartet. Mittlerweilen ist eine kantonale Tagesschulverordnung für den Sonderschulbereich in Vorbereitung, welche das Angebot flächendeckend auch für andere Sonderschulen sicherstellen soll.
Mit dem Eintritt von Schülerinnen und Schülern mit einer Hör-Sehbehinderung und mit Autismus im Regelschulbereich war eine Kompetenzerweiterung in diesen beiden Fachgebieten Pflicht. Durch Weiterbildung, Fachberatung und den Einsatz von qualifizierten Assistenzen ist es uns gelungen, den Anforderungen zu entsprechen. Basis dazu bildete die Motivation und das Engagement unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Medizinische Massnahmen werden auch an Sonderschulen ärztlich verordnet und durch die Versicherung des Kindes finanziert. Bei Kindern mit schweren Behinderungen in der Mobilität, der Sprache und des Verhaltens fallen notwendige Leistungen an, welche durch den Tarif der Physiotherapie nicht vollständig finanzierbar sind. Wir haben uns gemeinsam mit anderen Institutionen für Lösungen eingesetzt und erreicht, dass der Kanton die Deckungslücke vorderhand übernimmt und dass es Sonderschulen nach neuem Krankenversicherungsgesetz (KVG) möglich wird, medizinische Massnahmen auch als Sonderschule mit den Versicherern direkt abzurechnen. Unser Einsatz gilt weiterhin dem Ziel, für die Physiotherapie einen kostendeckenden Tarif zu erlangen.
Wenn der Sehsinn ganz oder teilweise ausfällt, muss die Kommunikation über die anderen Sinne kompensiert werden. Für unseren Bildungsauftrag bedeutet dies, eine Vielzahl von Lehr- und Hilfsmitteln zur Verfügung zu stellen. Mit dem Einzug in den neuen Erweiterungsbau haben wir uns zum Ziel gesetzt, alle Elemente unserer umfangreichen Lehrmittelsammlung elektronisch zu erfassen und nach neuem System abzulegen. Dank der Unterstützung von Spenderinnen und Spendern, dem Einsatz einer externen Fachkraft und dem tatkräftigen Einsatz des Kollegiums konnten wir dieses arbeitsintensive Projekt erfolgreich abschliessen.
Am 4. Januar 2009 wäre Louis Braille, der Erfinder der nach ihm benannten, genialen Punktschrift, 200 Jahre alt geworden. Ihm zu Ehren fanden weltweit viel beachtete Veranstaltungen statt. Am Tag des Einweihungsfestes unseres Neubaus haben wir eine Ausstellung mit Hörspiel und Workshop organisiert. Die Ausstellung kann weiterhin in den Vitrinen unseres Verbindungsgangs beim Haupteingang besichtigt werden.
Das Gesamtnetzwerk IT wurde mit dem Neu- und Umbau physisch installiert. Im 2009 wurde das System in Betrieb genommen. Alle Nutzerinnen und Nutzer haben nun einen Zugang zu zentral abgelegten Daten. Dies erleichtert die interne Zusammenarbeit wesentlich.
Unsere räumlichen Kapazitäten bleiben auch nach Abschluss des Bauprojekts ein Thema. Im Rahmen der Gesamtplanung aus dem Jahr 2004 steht die Konkretisierung eines neuen Teilprojektes an. Handlungsbedarf zeichnet sich bei mehreren Gruppenhäusern und in der Schule MFB ab. Wegen des neu entstandenen Raumbedarfs durch die Tagesschule und des Umzugs der Wohn-
gruppe Casa Giardino von der Gartenstrasse in unser Hauptgebäude hat sich der Platzbedarf weiter akzentuiert.
Der dynamische Prozess der Anpassung an sich verändernde Bedingungen erfordert ein gut vernetztes Zusammenspiel von kompetenten und wohlwollenden Partnern. Spenderinnen und Spender haben mit allgemeinen und zweckgebundenen Beiträgen vieles ermöglicht, was blinden und sehbehinderten Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Bildung wesentlich verbessert. Ihnen sowie dem Stiftungsrat, dem Elternrat, den Mitarbeitenden aller Abteilungen, aber auch den Behörden und den Partnerorganisationen danke ich für die geleisteten Beiträge ganz herzlich!
Christian Niederhauser
Direktor
AUS DEN ABTEILUNGEN
Schule
In der Woche vom 12.1. bis 17.1. verbrachten rund 40 Schülerinnen und Schüler des Regelbereichs (RB) und rund 20 Kinder und Jugendliche der Schule für Mehrfachbehinderte (MFB) ab der 4. Klasse eine unvergessliche Skilagerwoche in Schönried. Bei durchwegs schönem Wetter übten sich die Kinder des Lagers Regelbereich in den Sportarten Langlauf, Snowboard und Ski Alpin. Die Schülerinnen des Lagers MFB waren ebenfalls auf der Langlaufloipe anzutreffen. Daneben waren sie aber auch mit dem Schlitten oder mit Schneeschuhen unterwegs.
Wenn man bedenkt, dass unsere Schüler auf diesen Sportgeräten eine 1:1-Betreuung brauchen, so kann man sich die logistische Herausforderung vorstellen. Diese Lager wären nicht durchführbar ohne die grosse Unterstützung von professionellen Leitern (1 Leiter pro Disziplin) und externen, freiwilligen Helfern.
Ein weiterer Höhepunkt war das alljährlich stattfindende Austrittsfest zum Abschluss des Schuljahres. Dieses Jahr sind 16 Jugendliche ausgetreten.
Am 11. August haben 13 Kinder und Jugendliche neu an unserer Schule gestartet.
Das traditionelle Weihnachtsfest bildete den Abschluss dieses ereignisreichen Kalenderjahres.
Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Umbau galt es, die Objekte unserer Sammlung für den Naturwissenschaftlichen Unterricht auszupacken, elektronisch zu erfassen und professionell abzulegen. Dank dem grossen Einsatz aller Beteiligten und der zusätzlichen Unterstützung einer speziell für diese Aufgabe angestellten Person ist es uns gelungen, dieses – für unseren Unterricht uner-lässliche Material – wieder allen zugänglich zu
machen.
Vermehrt fördern wir in unserer Schule sehbehinderte Schülerinnen und Schüler mit einer zusätzlichen Hörbehinderung oder einer Autismus-Spektrum-Störung. Dies erfordert ein grosses Fachwissen unserer Lehrkräfte. Dieser Herausforderung begegnen wir mit einer gezielten Schulung unserer Mitarbeitenden und der engen Zusammenarbeit mit den spezialisierten Fachstellen. Auf Seite 14 finden Sie dazu den Bericht einer Mitarbeiterin, welche als Assistenz einer blinden Schülerin mit Asperger-Syndrom unterwegs ist.
Mit grosser Begeisterung folgen unsere Schülerinnen und Schüler mit Mehrfachbehinderung (MFB) dem IT-Unterricht. Nachfolgende Beispiele geben einen Einblick in diese Arbeit.
Regula Meier
Leiterin Abteilung Schule
Internat
Die Wohngruppe Casa Giardino, welche im alten Einfamilienhaus an der Gartenstrasse ihr daheim hatte, konnte im Haupthaus die neue Wohngruppe Sirius beziehen.
Am 12. Oktober führte die Feuerwehr Zollikofen eine Rettungsübung durch und testete mit einer Rauchmaschine die Dichtheit der Brandschutztüren. Das Abseilen vom dritten Stock, das Üben mit der Atemschutzhaube und dem Rettungsbrett brachte für die Kinder, die Feuerwehrleute und die Mitarbeitenden wertvolle Erfahrungen. Mit Begeisterung wurden die Feuerwehrautos bestiegen und die Klanghörner bedient.
Der vom Rotaract Bern durchgeführte vorweihnächtliche Abend mit «Guetzlibacken», gemeinsamem Essen beim Cheminéefeuer mit Musik und Geschichte fand bei den Kindern guten Anklang.
Spenden und das unentgeltliche Engagement von Kulturschaffenden und Freiwilligen ermöglichen unseren Schülern einmalige Erlebnisse. So konnte die WG Surprise im Bandraum der Band Farao ein exklusives Konzert anhören und auf den Instrumenten spielen. Bei der Bauernfamilie Bütikofer von Jegenstorf konnten die Kinder Pony, Pferde, Kühe und Kaninchen kennenlernen, den Stall erkunden und auf Strohballen ein gemütliches «Burezvieri» geniessen. Für die WG Kolibri gehört der Besuch bei «Johns kleine Farm» in Kallnach schon fast zum jährlichen Ritual. Im Musikgeschäft Bestgen erhielten die Kinder die Möglichkeit verschiedene Musikinstrumente zu testen. Weitere Höhepunkte bildeten der Besuch beim Zirkus Monti und eine Kutschenfahrt in Lyss.
Der Ausflug aufs Brienzer Rothorn der WG Kunterbunt wurde vom passenden Märli «Hopp», einer Geschichte des Brienzer Rothorngespenstes begleitet.
Fünf Schüler unserer Schule konnten im Zürcher Zoo anlässlich eines Projektes der Kantonsschule Wettingen einen Elefanten und eine Boa ertasten, die Geräusche einer Klapperschlange hören und viele weitere Eindrücke erleben, welche bei einem üblichen Zoobesuch für blinde und sehbehinderte Kinder nicht möglich sind.
In diesem Jahr wurden in der WG Pianoforte drei spezielle Geburtstage zur Erlangung der Volljährigkeit mit viel Musik gefeiert. Piano, Djembe, Gitarre, normale Suppenlöffel und viel Gesang sorgten für eine Megastimmung. Mit welschem Charme gab der Schüler Luka für seine WG Villa Fantasia eine super Einführung im Tae-kwon-do.
Neben den vielen kleinen und grossen Höhenpunkten ist die täglich erlebte Gruppengemeinschaft in einer motivierenden Atmosphäre der grösste Gewinn. Die Kontakte und Freundschaften stärken das Selbstwertgefühl und schaffen ein geeignetes Umfeld zum Lernen.
Toni Mollet
Leiter Abteilung Internat
Ergänzende Angebote
Per 17. August 2009 durfte ich als neue Leiterin der Abteilung Ergänzende Angebote die Arbeit aufnehmen. Im Zuge der Vorbereitungen für das Einweihungsfest Um- und Neubau vom 12.09.2009 hatte ich nebst der Einarbeitung und dem Studium der anspruchsvollen Dossiers
für die neue Führungsaufgabe auch das Amt als OK-Präsidentin inne. Diese Koordinationsaufgabe ermöglichte mir ein schnelles und umfassendes Zurechtfinden und Kennenlernen der Institution und der Mitarbeitenden.
Seit August 2009 ist Christine Schmid Team-
leiterin und erste Ansprechperson in der Früherziehung.
Auf Ende 2009 ging Frau Dr. med. Lotti Grimm in Pension. Viele Jahre hat sie an unserer Schule die neuropädriatrischen Kontrolluntersuchungen mit hoher Kompetenz durchgeführt. Frau Dr. med. J. Pavlovic, Ärztin für Neuropädiatrie, übernimmt ab 2010 ihre Aufgabe. Wir heissen sie als Nachfolgerin herzlich willkommen.
Im 2009 konnte sich das Medizinische Therapiezentrum über neue Materialien, Bewegungsapparate (z.B. Motomed) und Einrichtungsgegenstände freuen, die zum Teil aus Spendengeldern finanziert wurden.
Dank der Finanzierung eines Hebeliftes in der Reittherapie sind wir nun in der Lage, auch körperbehinderte Kinder und Jugendliche aufs Pferd zu
setzen. Die gesamte Finanzierung von 12’700.– wurde von der Stiftung Cerebral übernommen.
Im Rahmen der internen Fortbildung hielt unsere Stiftungsrätin und Augenärztin, Frau Dr. C. Kläger, am 15. Dezember ein Referat über die optimale
Behandlung von ausgewählten Sehbehinderungen, basierend auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Anschliessend beantwortete sie Fragen aus den Teams des Ambulanten Dienstes und der Früherziehung.
Am 5. Juni fand die Elternfortbildung in Orientierung und Mobilität statt. In drei kleinen Gruppen konnte auf die individuellen Bedürfnisse der Eltern eingegangen werden. 15 Eltern nahmen teil. Für 9 Kinder konnte ein Hütedienst angeboten werden.
Im Elternworkshop vom 13. November führte Frau M. Lonoce mit Verständnis und Kompetenz durch die Thematik «Wie Trauer und Freude zusammen gehören – Gefühle verstehen».
Am 29. August fand der Reitnachmittag des Ambulanten Dienstes und der Früherziehung statt. Die Schülerinnen und Schüler aus Kindergärten und Regelklassen der öffentlichen Schule konnten vom Therapieangebot profitieren. Gleichzeitig konnten die Eltern der Früherziehungskinder mit den Lehrpersonen aus dem Ambulanten Dienst einen ersten wertvollen Kontakt wahrnehmen.
Abteilung Zentrale Dienste
In den Sommerferien konnten wir den schon länger geplanten Umbau im UG des Hauptgebäudes realisieren. Dabei wurden getrennte Garderoben für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bereiches Hauswirtschaft realisiert. Zudem wurden die bestehenden sanitären Anlagen renoviert.
Durch grosszügige Spenden diverser Firmen und koordiniert durch die Stiftung Fortuna konnten wir auf Ende 2009 wiederum einen neuen behindertengerecht umgebauten Bus in Betrieb nehmen.
Zum Schuljahresbeginn 2009/2010 konnten wir nach zweijähriger Vorbereitungszeit das Gesamtnetzwerk in Betrieb nehmen. Somit ist nun der globale Datenaustausch, welcher Arbeitsabläufe und Prozesse vereinfacht, über alle Arbeitsstationen der Institution möglich. Zudem sind alle Arbeitstationen nun mit einem schnellen ADSL-Anschluss ans Internet angebunden.
Zwei Studenten der HKB befassten sich als visuell orientierte Gestalter im Rahmen einer Bachelor-Arbeit mit dem Thema «Informationsvermittlung durch den Tastsinn». In diesem Zusammenhang wandten sich die beiden an den Bereich Lehrmittel unserer Institution. Die Besuche dienten einerseits der Recherche auf dem Gebiet der blindengerechten Gestaltung. Andererseits bot der Bereich Lehrmittel auch den technischen Support für die darauf folgenden Umsetzungen. Es wurden verschiedene Reliefs mittels Quellkopie und Tiefzug hergestellt. Das Ergebnis dieser Arbeit war eine fiktive Ausstellung mit dem Namen «Haptisch/Optisch». Sie setzt sich mit den verschiedenen Facetten der taktilen Kommunikation auseinander. Um dem Thema gerecht zu werden, wurden für diese Ausstellung verschiedene Kommunikationsmittel gestaltet. Zusätzlich wurde eine Grossbuchstabenschrift erarbeitet, welche für das Tasten optimiert wurde.
Stefano Amati
Leiter Abeteilung Zentrale Dienste
Finanzen und Administration
Durch die Umsetzung der NFA und Veränderung von Buchungsvorschriften mussten diverse Anpassungen bei der Datenerhebung, der Fakturierung und im Buchhaltungssystem vorgenommen werden. Dies gestaltete sich recht aufwendig, da unsere vielseitigen Dienstleistungen, wie Schule, Internat, medizinisch therapeutische Massnahmen, Frühförderung, Ambulanter Dienst und Lehrmittelherstellung die unterschiedlichsten Finanzierungsmechanismen aufweisen. Gleichzeitig erbringen wir Dienstleistungen für Kinder aus 15 Kantonen und jeder Kanton hat andere Anforderungen an die finanzielle Abgeltung.
Im 2009 wurden Sekretariat und Buchhaltung organisatorisch in der Abteilung Finanzen und Administration zusammengeschlossen. Nach einem Stellenwechsel im Sekretariat hat nun Peter Reichen die Funktion Leitung Sekretariat und Assistenz Geschäftsleitung übernommen. Nach der Pensionierung einer langjährigen Mitarbeiterin in der Buchhaltung wurde bei der Neubesetzung mit Annalis Krähenbühl die Arbeitsaufteilung innerhalb des Teams neu organisiert. Diese organisatorischen Massnahmen ermöglichen uns, den immer komplexer werdenden Ansprüchen besser gerecht zu werden.
Fritz Brechbühl
Leiter Abteilung Finanzen und Administration
Diagnose «Asperger Autismus und blind»
Eine Mittelstufenschülerin, fröhlich, aufgeweckt, sprachbegabt, musikalisch und blind, sollte dem Unterricht im Regelbereich der Blindenschule problemlos folgen können. Was aber, wenn sie während des Unterrichts wiederholt die Schulzimmertüre öffnet und wieder zuknallt, wenn sie ihren Kopf hin und her schaukelt, Worte oder Wortlaute ohne Ende wiederholt, im Unterricht nicht warten kann, bis sie an der Reihe ist und lautstark dreinredet? So wird das Arbeiten im Klassenverband schwierig.
Was ist der Grund? Psychiatrische Abklärungen haben ergeben, dass die Schülerin neben ihrer Blindheit zusätzlich von einer speziellen Form von Autismus, nämlich dem Asperger Autismus betroffen ist. Die Bezeichnung Autismus kommt aus dem Griechischen und setzt sich aus den beiden Wörtern autos = selbst und ismos = Zustand zusammen. Es beschreibt einen Rückzug ins Innenleben. As-perger Autismus ist eine Erscheinungsform des Autismus. Charakteristisch sind Probleme wie:
- den ersten Schritt auf ein Ziel hin zu machen
- etwas Neues anzugehen
- sich den Überblick zu verschaffen
- sich in wechselnden Situationen zurecht zu finden
- das Wesentliche vom Unwesentlichen zu trennen
- einen Lösungsweg zu strukturieren
Die Lehrkraft kann nicht gleichzeitig die Klasse als Gruppe unterrichten und sich voll auf die spezifi-sche Lernsituation der Schülerin mit Autismus konzentrieren. Trotzdem ist es für die soziale Entwick-lung wichtig, dass die Schülerin mehrheitlich im Klassenverband dem Unterricht folgen kann.
In dieser Situation kann eine Zusatzperson in der Funktion als Unterrichtsassistenz eingesetzt wer-den. Wie arbeitet sie? An drei Beispielsituationen möchte ich dies illustrieren.
Minus-Rechnen
Im grossen Zahlenraum machte die Schülerin reguläre Fortschritte im Addieren, aber keine im Sub-trahieren. Als Unterrichtsassistenz versuche ich, den Lernstoff individuell, in Geh-Schritten handelnd, zu strukturieren. Vorwärts gehen und addieren funktionieren. Rückwärts gehen verweigert die Schülerin. Die damit verbundene Subtraktion kann also nicht geübt werden. Wie übt ein blindes Kind, rückwärts zu gehen? Instinktiv dreht es sich um und ertastet den Weg vorwärts. Wie kann ich es dazu bewegen, ohne Umdrehung rückwärts zu gehen? Im Turnunterricht beobachte ich ein ähnliches Verhaltensmuster: wenn die Schülerin auf der Matte sitzt, weigert sie sich, rückwärts abzuliegen. In verschiedenen, mehrfach wiederholten Übungen bauen wir die Ängste davor ab und bauen Vertrauen auf. Dies gelingt. Danach gelingt in weiteren Übungen das Rückwärts-Gehen und zum Schluss auch die Subtraktion.
Warten können
Wer im Unterricht etwas weiss, darf dies nicht einfach lauthals von sich geben. Hierfür strecken die Schüler ihre Hand auf und warten, bis die Lehrkraft sie aufruft. Wer als Mensch mit Autismus auf sich selbst bezogen denkt und handelt, nimmt die Klasse als umgebende Gruppe anders wahr und lernt nicht, auf Gruppenregeln zu achten. Als Unterrichtsassistenz versuche ich, mit selbst entwickelten «social stories» der Schülerin das Problem aufzuzeigen und mit ihr Verhaltensmuster einzuüben. «Social stories» sind kurze Situationsbeschreibungen mit Handlungsanweisungen und Hilfssätzen zur Selbstkontrolle.
Schulzimmer wechseln
Die blinde Schülerin ist früher einmal auf einer Treppe gestürzt. Seither fürchtet sie sich vor jeder Treppe, vor allem auch dann, wenn im Korridor unzählige Schülerstimmen hallen, welche kaum lokalisiert werden können. Trotzdem muss sie lernen, von einer Lektion zur andern das Schulzimmer zu wechseln, auch über eine Treppe. Als Unterrichtsassistenz fördere ich das Selbstvertrauen der Schülerin. Wir haben zusammen einen Kindervers erfunden, welcher sie Zeile für Zeile von Treppenstufe zu Treppenstufe führt. Mit jeder Anwendung des Kinderverses konnte die Schülerin ihr Vertrauen in die Selbstkompetenz steigern und ich sie entsprechend loben. Die drei Beispiele mögen illustrieren, wie für Menschen mit Autismus eine Zusatzperson in der Funktion der Unterrichtsassistenz ermöglichen kann, dass jene dem Unterricht in der Regelklasse wei-testgehend folgen können. Wichtig und entscheidend hierfür sind
 dass die Sach-, Sozial- und Selbstkompetenz gleichermassen gefördert werden und dass die Unterrichtsassistenz eng und federführend die Probleme des jeweiligen Kindes mit den Lehrkräften, den weiteren internen Betreuungspersonen, den psychologischen und psychiatrischen Spezialisten, der Schul- und der Internatsleitung und den Eltern besprechen und ihre Einwirkungen auf das Kind koordinieren kann.
Das Asperger-Syndrom
Das Asperger-Syndrom hat seinen Namen vom Wiener Kinderarzt Hans Asperger, der 1943 erstmals über Kinder mit den heute unter dieser Bezeichnung bekannten typischen Schwächen in der Kommunikation und im sozialen Austausch berichtet hat. Betroffenen fällt es schwer, nicht sprachliche Signale und Lautäusserungen bei anderen Personen zu erkennen und selbst auszusenden. Da die Intelligenz in den meisten Fällen normal ausgeprägt ist, wird das Syndrom, welches sich ungefähr vom vierten Lebensjahr an bemerkbar macht, oft nicht sofort erkannt. Die Früherkennung wird erschwert, wenn zusätzlich das Sehen in hohem Masse eingeschränkt ist. Weitere Kennzeichen des Asperger-Syndroms sind stereotype Verhaltensweisen und ausgeprägte Spezialinteressen, die gelegentlich mit einer Hoch- oder Inselbegabung zusammenfallen. Das Asperger-Syndrom ist auch mit Stärken verbunden, etwa in den Bereichen der Wahrnehmung, der Selbstbeobachtung, der Aufmerksamkeit oder der Gedächtnisleistung.
Bernadette Gubler
Sozialpädagogin/Schulassistenz

