J A H R E S B E R I C H T 2007

BERICHT DER PRÄSIDENTIN

Unterwegs zu neuen Ufern

Fast wie in den vergangenen Jahren könnte ich auch das Jahr 2007 unter dem Titel «Unterwegs zu neuen Ufern» laufen lassen. Mein persönlicher Rückblick zeigt jedenfalls, dass wir im Berichtsjahr einige wichtige Pendenzen abarbeiten konnten, so dass ein optimistischer Blick in die Zukunft angezeigt ist. Insbesondere freut mich, dass wir dank grosser Anstrengungen vieler Beteiligter unserer Institution den Leistungsvertrag mit der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern (GEF) – im Gegensatz zu den Vorjahren – rechtzeitig und im besten Einvernehmen mit den Verantwortlichen der GEF abschliessen konnten. Damit wurde eine wichtige Hürde termingerecht übersprungen, ja sogar ein zentraler Meilenstein gesetzt.
Uns allen ist jedoch bewusst, dass uns die zahlreichen kantonalen Vorgaben auch in Zukunft über alle Massen beschäftigen werden. Dabei werden weiterhin Flexibilität, Kreativität und Offenheit gegenüber neuen Ideen unabdingbare Voraussetzungen für gute Lösungen sein. Wichtig war dem Stiftungsrat, unserer Institution – trotz relativ engen finanziellen Leitplanken – einen grösstmöglichen Handlungsspielraum zu gewähren. Deshalb wurde im Berichtsjahr ein Betrag von rund CHF 250 000.– in den Betrieb eingeschossen.
Dieser wurde unter anderem für die Subventionierung folgender Leistungen verwendet:

  • Instrumentalunterricht
  • Weiterbildung
  • Subventionsbereinigungen für die Jahre 2003, 2004 und 2005
  • Pauschalbetrag für Verschiedenes

Die Aufgaben, die es sowohl auf der Ebene des Stiftungsrates als auch auf derjenigen der Institution zu bewältigen galt, haben in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. So wurde offensichtlich, dass sich die Bildungslandschaft überall und insbesondere auch im Kanton Bern erheblich verändert hat. Um der zunehmenden Belastung und der teilweise rasanten Entwicklung standhalten zu können, drängte sich bei uns die Überarbeitung der doch schon etwas in die Jahre gekommenen operativen Führungsstrukturen auf. Einige Teile des Konzepts, wie zum Beispiel die Installation der dritten Führungsebene, konnten erfreulicherweise bereits im Verlaufe des Berichtsjahrs umgesetzt werden, andere benötigen erwartungsgemäss noch etwas Zeit.
Mit Freude können wir im Weiteren auf den Mitarbeitertag vom 1. November 2007 zurückblicken. Am Morgen erhielt der Stiftungsrat einen beeindruckenden Einblick in die verschiedenen Abteilungen und Angebote der Institution. Nach dem gemütlichen Mittagessen auf den so genannten «Gruppen des Internats», fanden Gespräche zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu brennenden Fragen des Institutionsalltags und der Zukunft statt. Die Diskussionen wurden mit grossem Engagement und Fachwissen geführt. Dieser besondere Tag wurde allseits positiv gewürdigt und es besteht die Absicht, ähnliche Anlässe auch in Zukunft durchzuführen.
Wie in grossen Institutionen üblich, waren auch bei uns im Berichtsjahr 2007 diverse Mutationen zu verzeichnen: Die beiden Abteilungsleitungen «Schule» und «Internat» konnten im Verlaufe des ersten halben Jahres neu besetzt werden. Wir schätzen uns glücklich, mit Frau Regula Meier und Herrn Toni Mollet zwei sehr engagierte Geschäftsleitungsmitglieder gewonnen zu haben. Wir wünschen ihnen auch an dieser Stelle viel Freude und Erfolg bei der Erfüllung ihrer neuen Aufgaben.
Auf Ende Jahr hat Frau Dr. Denise Gränicher, unsere langjährige Augenärztin der Institution, ihre Demission als Stiftungsratsmitglied eingereicht. Ich danke ihr ganz herzlich für ihr grosses und erfolgreiches Engagement zu Gunsten unserer Kinder und Jugendlichen. Für die Zukunft wünsche ich ihr alles Gute, insbesondere beste Gesundheit und «viu Gfröits» im Kreise ihrer Liebsten.
Aus beruflichen Gründen hat Herr Martin Kocher seinen Rücktritt als Sekretär des Stiftungsrats per 31. Dezember 2007 eingereicht. Auch ihm möchte ich für seine ausgezeichnete und äusserst kompetente Arbeit ganz herzlich danken. Erfreulicherweise wird er uns noch während eines Jahres als Mitglied des Stiftungsrates mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Als neues Mitglied wurde an der Stiftungsratssitzung vom 19. September 2007 Herr Adrian Lerf in den Stiftungsrat gewählt. Herr Lerf hat an der Universität Freiburg Betriebswirtschaft studiert und ist heute als Stabschef der Valiant Holding tätig. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Herrn Lerf und heisse ihn auch an dieser Stelle in unserem Kreis herzlich willkommen.
Abschliessend möchte ich – wie im Jahresbericht üblich – allen ganz herzlich danken, die sich (auch) im 2007 mit grossem persönlichen Engagement für unsere Institution eingesetzt haben. Dazu gehören namentlich meine Kolleginnen und Kollegen des Stiftungsrates, die Mitglieder der Kommissionen, die Geschäftsleitung, insbesondere unser Direktor Christian Niederhauser, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Mitglieder des Elternrats, die uns stets wohlgesinnten Behördenvertreter sowie die Gönnerinnen und Gönner, welche unsere Institution immer wieder grosszügig unterstützen.
Vreni Augsburger-Herzig, Stiftungsratspräsidentin

BERICHT DES DIREKTORS

Im Berichtsjahr stand die Vorbereitung wichtiger Entwicklungsschritte im Vordergrund. In der Schule Regelbereich werden wir mit einem neuen Modell in das Schuljahr 2008/2009 starten. Dieses wird sich durch die folgenden Neuerungen auszeichnen:

  • Einführung einer Basisstufe als Antwort auf die erhöhte Nachfrage im Vorschulalter.
  • Einführung je einer individuellen Förderklasse auf der Primarstufe und auf der Sekundarstufe I und Ausrichtung der Klassengrössen nach den Vorgaben zur Strukturqualität des Kantons Bern. Damit können wir auch bei zunehmender Heterogenität optimal auf die individuellen Bedürfnisse unserer Schülerinnen und Schüler ausgerichtet bleiben.

Gute Kenntnisse im Umgang mit elektronischen Hilfsmitteln sind heute Tür und Tor für die erfolgreiche berufliche Integration unserer Schülerinnen und Schüler. Im Ambulanten Dienst haben wir diesen Bereich der Beratung und Unterstützung im vergangenen Jahr ausgebaut. Je früher die Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten zur selbständigen Lebensgestaltung erfolgen kann, desto eher ist die integrierte schulische Laufbahn erfolgversprechend. Unser Früherziehungsteam hat im vergangenen Jahr eine Spielgruppe eröffnet, die es Kleinkindern mit einer Sehschädigung ermöglicht, Sozialkontakte mit Gleichaltrigen aufzubauen und Fortschritte im Sozialverhalten zu erzielen. Dies unter Anleitung und Betreuung unserer blindenpädagogisch ausgebildeten Früherzieherinnen.
Einen Hauptakzent bildete im 2007 der Start in unser Bauprojekt. Mit den Umbauarbeiten im Hauptgebäude konnte das erste von drei Teilprojekten termingerecht abgeschlossen werden. Die Schule für mehrfachbehindert- sehgeschädigte Kinder (MFB) verfügt nun über einen grossen Aussenlift, die Therapien konnten im dritten Obergeschoss das neu eingerichtete Zentrum
beziehen. Dadurch erhielt die Schule MFB den dringend benötigten Raum für die im August 2007 neu eröffnete Klasse. Bäder und Toiletten wurden behindertengerecht renoviert und umgebaut. Als Vorbereitung auf das Projekt «Informatik Gesamtvernetzung» wurden im ganzen Hauptgebäude Leitungen verlegt. Die weiteren Teilprojekte betreffen den neuen Erweiterungsbau mit Renovation des Schulhauses sowie die Erstellung eines neuen, behindertengängigen Verbindungstraktes zwischen Hauptgebäude und Schulhaus.
Die Fertigstellung ist auf Ende 2008 geplant. Mit besonderem Dank gilt es hier die gute Zusammenarbeit mit der Baukommission der Stiftung unter dem Präsidium von Herrn Peter Winter sowie dem Architekturbüro Mühlethaler zu erwähnen.
Im Projekt «Führungsmodelle», welches im Sommer 2008 abgeschlossen wird, wurden wichtige Schritte umgesetzt. Unsere verschiedenen Verantwortungsbereiche haben sich seit Inkraftsetzung des heutigen Organigramms im Jahre 1996 unterschiedlich entwickelt. Mit einer grundlegenden Neugestaltung unserer Aufbauorganisation wollen wir den aktuellen Anforderungen gerechter werden. Der Stiftungsrat hat die Grundsätze zum neuen Führungsmodell verabschiedet und im Betrieb wurden die Umsetzungsschritte vollzogen. In der Beilage zum vorliegenden Bericht und auf der Homepage findet sich das neue Organigramm. Die beschriebenen Projekte stellten unsere Organisation im 2007 vor grosse Herausforderungen. Diese zu meistern kann nur das Ergebnis intensiver Zusammenarbeit sowie hoher Einsatz- und Veränderungsbereitschaft sein.
Ich danke dem Stiftungsrat und den Kommissionen für die tatkräftige, hilfreiche
Unterstützung. Den Mitarbeitenden gebührt für die engagierte Mitarbeit unter den genannten Bedingungen hohe Anerkennung und herzlicher Dank!
Die Zusammenarbeit mit den Stellen der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern und des Bundesamtes für Sozialversicherung verlief auch im 2007 konstruktiv und unterstützend – vielen Dank!
Christian Niederhauser, Direktor

AUS DEN ABTEILUNGEN

Abteilung Schule

Projekt Augenblick
Das diesjährige Gewerbepraktikum der Oberstufenklassen stand unter dem Motto «Augenblick – sie sehen uns und wir sie anders». In Zusammenarbeit mit der NMS Bern und unter dem Patronat des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes wurde in der Zeit vom 12. bis 22. Juni 2007 im Aarhof ein interessantes und vielseitiges Programm angeboten. Nebst Geschichten, Spielen und Zvieri tagsüber im Dunkeln (Angebot für Schulklassen und Gruppen) verwöhnten die Jugendlichen die zahlreichen Gäste jeden Abend kulinarisch und kulturell im Dunkelraum. Ein Fest mit Theater, Tanz, Gesang, Grill und Open- Air-Kino «Vitus» rundete das ganze Projekt ab.

Begegnungswoche
Bereits zum 2. Mal fand im Herbst die Begegnungswoche statt. In dieser Woche bieten wir ambulant betreuten Kindern die Möglichkeit, während einer Woche bei uns zur Schule zu gehen und gewähren ihnen so einen Einblick in unseren Schulalltag. Diese Begegnung war wiederum ein wertvoller Austausch unter Gleichbetroffenen.

Skilager /Landschulwoche
Sowohl das Schneesportlager in Schönried als auch die verschiedenen Landschulwochen konnten einmal mehr dank grosszügiger Unterstützung durch die Stiftung Denk an mich erfolgreich durchgeführt werden.

Fasnacht
Am 24. Februar feierte die Unterstufe und die Schule MFB eine farbenfrohe und klangvolle Fasnacht.
Regula Meier

Abteilung Internat

Das Internat passt sein Angebot laufend den individuellen Ansprüchen an. Im 2007 lag ein wichtiger Schwerpunkt auf spezifischen Fort- und Weiterbildungen. Die Mitarbeitenden haben sich neben dem blindenspezifischen auch Fachwissen über ADS, Autismus, Pflege, Diabetes, Epilepsie sowie Hör- und Körperbehinderung angeeignet.

Höhepunkte 2007

  • Wohngruppenausflüge führten unter anderem auf Schifffahrten, zum stimmungsvollen Weihnachtsmarkt, zur Rodelbahn am Oeschinensee mit Übernachtung im Pfadihostel sowie in den Erlebnispark «Happyland» in Granges (Wallis). am Wiederaufbau dieser Dienstleistung beteiligt.Im Moment kommen fünf Kinder in den Genuss unserer Hippotherapie, ein weiterer Ausbau bis zehn Kinder ist auf Sommer 2008 geplant.Das BSV und der Kanton Bern haben wegen der grossen Nachfrage per August 2007 ein Gesuch zur Erhöhung des Pensums im Ambulanten Dienst Mehrfachbehinderte und im Ambulanten Dienst EDV bewilligt. Neu können diese Dienste nun mit 50% bzw. mit 30% versehen werden.Das Team der Früherzieherinnen führte am 15. September einen Spiel- und Begegnungsnachmittag durch. Rund 40 Erwachsene mit ebensovielen Kindern nahmen am Anlass teil.
  • Die drei Jugendwohngruppen Piano forte, Casa Giardino und Villa Fantasia beteiligten sich am Volkslauf in Kerzers. Der gute Trainingsaufbau hat sich gelohnt, so konnten alle Läuferinnen und Läufer ihre Laufzeit gegenüber dem Vorjahr verbessern und auch noch den Kategoriensieger stellen.
  • Am 3. Juni hat die Panflötengruppe Dajoeri zugunsten unseres Heilpädagogischen Reitbetriebs ein Benefizkonzert durchgeführt. Die ganze Gruppe kam am 14. Juni mit zur Übergabe des Erlöses und gab dabei ein Spontankonzert für die Kinder und Jugendlichen des Internats.

Toni Mollet

Abteilung Begleitende Dienste

Mit Margaretha Glauser konnte per 1. August 2007 eine erfahrene und engagierte ambulant tätige Heilpädagogin mit der Leitung unseres Ambulanten Dienstes betraut werden. Somit entspricht nun auch der Bereich des Ambulanten Dienstes unserem Führungsmodell.
Am 14. August 2007 startete die Hippotherapie auf unserem Reitbetrieb in Schüpfen. Nach einer längeren Pause sind wir nun wieder in der Lage, die für unsere Kinder wichtige Therapie selber durchführen zu können. Mit Peter Leu, unserem Physiotherapeuten, konnten wir die Lücke schliessen. Er hat sich berufsbegleitend als Hippotherapeut ausbilden lassen und ist dank seiner minutiösen Organisation massgeblich am Wiederaufbau dieser Dienstleistung beteiligt. Im Moment kommen fünf Kinder in den Genuss unserer Hippotherapie, ein weiterer Ausbau bis zehn Kinder ist auf Sommer 2008 geplant.
Das BSV und der Kanton Bern haben wegen der grossen Nachfrage per August 2007 ein Gesuch zur Erhöhung des Pensums im Ambulanten Dienst Mehrfachbehinderte und im Ambulanten Dienst EDV bewilligt. Neu können diese Dienste nun mit 50% bzw. mit 30% versehen werden.
Das Team der Früherzieherinnen führte am 15. September einen Spiel- und Begegnungsnachmittag durch. Rund 40 Erwachsene mit ebensovielen Kindern nahmen am Anlass teil.
Vinz Miescher

Abteilung Zentrale Dienste

Im Laufe des Jahres 2007 konnte die neue Abteilung ZD in der geplanten Form realisiert werden. Die bisherigen Abteilungen Hauswirtschaft und Lehrmittel wurden im August 2007 zu der Abteilung Zentrale Dienste zusammen geführt. Ausserdem wird neu die Informatik und somit die Realisierung des Projektes «Gesamtvernetzung der Institution» über diese Abteilung koordiniert.
Am 4. Juni 2007 fand in der Blindenschule eine grosse Feuerwehrübung mit 55 Feuerwehrmännern aus Zollikofen und Münchenbuchsee statt. Die Kinder und Jugendlichen des Internats probten Evakuation und Löschung im Ernstfall und erhielten Gelegenheit, die Feuerwehr hautnah zu erleben und zu ertasten. Umgekehrt wurden die Feuerwehrleute auf die blindenspezifischen Besonderheiten sensibilisiert. Diese waren sehr beeindruckt und haben beschlossen, auf ihren Sold für diesen Anlass zugunsten der Blindenschule zu verzichten. Mit etwas Aufrunden kam der stolze Betrag von 1000 Franken zusammen. Dafür danken wir auch an dieser Stelle herzlich!
Stefano Amati

Elternrat

Höhepunkt des Jahres aus Sicht des Elternrates war der Liederabend mit Ueli Schmezer. Dank dem Einsatz aller Elternratsmitglieder beim Bereitstellen und Abräumen des Kirchgemeindesaals konnte der Anlass mit vernünftigem Aufwand realisiert werden. Die Institution stellte die Einladungen sicher und unterstützte den Anlass personell und auch wie gewünscht mit Verpflegung (Tee, Geschirr etc.). Die Vorträge von Ueli Schmezer und Daniel Hörr begeisterten die Anwesenden: Jugendliche und Eltern. Der bissige Kritiker aus dem «Kassensturz» zeigte eine andere Seite seiner Persönlichkeit: herzlich, zuvorkommend. Es waren ca. 70 Personen anwesend, schade, dass nicht noch mehr Familien und Wohngruppen der Einladung folgten. Mit der Diskussion und Überarbeitung der Satzungen des Elternrats sollen Ziele und Struktur hinterfragt und definiert werden, als Grundlage für die weitere Zusammenarbeit.
Hansjürg Schwander, Vorsitzender Elternrat

INTEGRATION IN DER ÖFFENTLICHEN SCHULE, JA ABER…

«Unser Sohn kam 1999 in den Kindergarten. Anschliessend die Einführungsklasse
(1. Schuljahr auf zwei Jahre verteilt). Das 2. bis 4. Schuljahr machte er in der Primarstufe. Es lief alles sehr gut. Er konnte sich integrieren, wurde von den anderen Mitschülern im ganzen Schulhaus voll akzeptiert.
Dann kam der grosse Wechsel. Das gleiche Schulzentrum, aber ein neues Schulhaus (5. bis 9. Klasse), neue Lehrer und der Druck des Übertrittes. Zum Glück war da Frau Glauser vom Ambulanten Dienst der Blindenschule Zollikofen. Für uns eine unheimlich wichtige Unterstützung und Verbindung zur Schule. Für Roger DIE wichtigste Person schlechthin.
Dieser Wechsel in die 5. Klasse war sehr schwierig. Roger war dauernd unter Zeitnot. Kaum Zeit zu «verschnaufen» zwischen den Lektionen. Er setzte sich auch selber unter einen Leistungsdruck und war daher auch oft hässig und unzufrieden. Dann kam das Skilager. Wir hatten ein mulmiges Gefühl. Das Risiko war uns zu gross, und auch für die Lehrer wäre es eine zu grosse Verantwortung gewesen. Frau Glauser machte dann den Vorschlag, für diese Zeit eine Schnupperwoche in Zollikofen zu organisieren. Roger fand das toll und genoss es richtig. Man hat da viel mehr Zeit, war seine erste Feststellung.
Zurück in der öffentlichen Schule ging alles wie gehabt. Zeitnot, Druck, Unlust irgendetwas in der Freizeit zu unternehmen. Der ausschlaggebende Punkt zum Schulwechsel war Frau Glauser, als sie eine Französischstunde von Roger besuchte. Er war die ganze Stunde da, aber nicht aktiv. Konnte sich nicht einbringen, nicht melden. Hatte keinen Überblick, fand die Seite nicht. Kurzum, es ging alles viel zu schnell. Da machten wir uns die ersten konkreten Gedanken für einen Schulwechsel. Es war nicht einfach und gab viele Gespräche. Ein Pro und Kontra. Für uns war von Anfang an klar, es muss das Beste sein für Roger. Wir als Eltern kommen erst an
zweiter Stelle. Was er will, ist wichtig.»
Aus «Persönliche Erfahrungen und Gedanken» von Beatrice, Ruedi und Roger Marti

Ambulanter Dienst für sehgeschädigte Kinder und Jugendliche

Der Ambulante Dienst für sehgeschädigte Kinder und Jugendliche betreut blinde und sehbehinderte Kinder und Jugendliche, die nicht die Sonderschule in Zollikofen besuchen. Die Lehrpersonen des Ambulanten Dienstes begleiten in der Regel die blinden und sehbehinderten Kinder und Jugendlichen vom Kindergarten an über alle Klassenwechsel hinweg bis und mit der ersten beruflichen Ausbildung bzw. der Mittelschule.
Im stark visuell ausgerichteten Schulalltag ist das sehgeschädigte Kind gegenüber seinen normal sehenden Mitschülerinnen benachteiligt. Unter Berücksichtigung des persönlichen und schulischen Umfeldes koordinieren und vernetzen die Lehrpersonen des Ambulanten Dienstes in Zusammenarbeit mit den Beteiligten alle Massnahmen in Bezug auf die Integration.
Da eine Einschränkung des Sehens meist auch eine gewisse Einschränkung der Lernfähigkeit zur Folge hat, brauchen sehgeschädigte Schülerinnen und Schüler in Regelklassen mehr Zeit für Arbeiten und Lernprozesse als ihre Klassenkameradinnen und -kameraden. Zudem treten Schwierigkeiten von sehgeschädigten Kindern in Regelklassen oft im sozialen Bereich und in der Auseinandersetzung mit der Behinderung auf. Eine enge Zusammenarbeit mit Schule, Elternhaus und Lehrbetrieb ist hier von grosser Bedeutung. Arbeiten mit dem sehgeschädigten Kind, Beraten und Unterstützen der Eltern und der Lehrpersonen und viele weitere Aufgaben bilden die Arbeitsschwerpunkte der Lehrpersonen des Ambulanten Dienstes.

Stimmen aus der Schule

Ich bin die Vanessa und geh in die Schule in Koppigen. Die Frau Magnenat kommt zu mir in die Schule. Sie ist sehr lieb. Ich habe sie sehr gerne. Sie macht ganz gute Sachen mit mir. Sie kommt weil ich nicht gut sehe!

Ich heisse Mara Häusler, bin 12 Jahre alt und wohne in Urtenen-Schönbühl. Ich wurde mit dem grauen Star geboren. Seit dem Kindergarten werde ich vom Ambulanten Dienst betreut. In der Schule habe ich ein spezielles Pult mit einer Lampe. Die Lehrerin kopiert mir meistens die Blätter vom Hellraumprojektor.
Für mich ist es hilfreich, dass ich von Frau Magnenat unterstützt werde.

Ich heisse Karin Kleeb und gehe in die dritte Klasse. Ich gehe gerne in die Schule. Am liebsten habe ich Rechnen. Ich freue mich jedes Mal wenn Frau Weibel zu mir in die Schule kommt. Sie ist für mich eine tolle Freundin. Meine Hobbys sind schwimmen, zeichnen, lesen, Musik hören und stricken. Ich war schon zweimal am Spielnachmittag in Zollikofen. Ich habe zwei tolle Freundinnen gefunden. Sie heissen Lisa und Vanessa. Wir haben uns auch schon Briefe geschrieben. Am Computer lerne ich das Zehnfingersystem. Später bekomme ich dann einen Lap Top. Darauf freue ich mich sehr.

Ich heisse Leonora, bin schon bald 12 Jahre alt. Ich gehe in die 5.Klasse in Spiez. Mir gefällt es in der Schule Hofachern. Im Moment lerne ich Diktat und Tastaturschreiben mit Frau Odermatt. Ich bin froh dass ich nicht nach Zollikofen muss. Ich finde es gut das Frau Odermatt kommt weil ich sie gerne hab.

Ich heisse Céline und bin 12 Jahre alt. Ich bin am 24.12.1994 geboren. Ich lebe in Biel. Meine Hobbys sind: Mit Kolleginnen abmachen, Briefe schreiben, Spiele spielen. Meine Lieblingsfarbe ist gelb. Meine Lieblingstiere sind Pferde und Delfine. Mein Lieblingsessen ist Pfannkuchen. Ich gehe nicht immer gerne zur Schule, weil ich lieber mehr in den Ferien wäre. Meine Lieblingsfächer sind Deutsch, Französisch und Turnen. Meine Schwächen sind Brüche, Kommazahlen und Vorstellungsvermögen. Ich war mal als Besucherin eine Woche in Zollikofen. Mir hat es sehr gefallen. Ich grüsse alle mit denen ich in der Klasse war. Mir hat es gefallen, dass alle so nett waren. Es war so cool, neue Kollegen und Kolleginnen zu haben. Es war besonders gut, weil es mehr Pausen gab, einen grösseren Pausenplatz hat und ich ein neues Spiel im Turnen lernte. Ich fand es super gut, dass weniger Kinder in einer Klasse sind und dass die Lehrer/Lehrerinnen mehr Zeit für die Schüler haben.

«der mond» von alicia fernandes

der mond ist da
gibt mir sicherheit
keine furcht vor dem alleinsein
er beschützt mich
gibt licht und geborgenheit
und zudem sind wir stets zu zweit
wo ich steh
schwebt er dahin
wo ich laufe
begleitet er mich
ich bin mit ihm
wie mit einem faden verbunden
kann mit ihm gehn
die ganze welt umrunden
aber trotzdem habe ich angst
bin allein auf der strasse
gehe schneller und schneller
weiss aber nicht, wieso ich so eile
niemand ist da,
der mir was tun könnt
das ist seltsam
da ich trotzdem angst empfinde
angst vor der dunkelheit
angst vor dem schatten,
was gleichzeitig bedeutet
dass ich angst vor dem
licht hab
denn nur licht
vermag schatten zu erzeugen
ich sperre die augen auf
um meinen sehsinn zu schärfen
nichts da
es ist ruhig
wirklich ganz still
und trotzdem stets das gefühl
von angst in mir
woher mag das rühren
hat man mich so gedrillt
keine ahnung
nun kein bild
mehr vor augen
kann kein licht mehr in mich saugen
tiefe schwärze vor mir
aber komischerweise
keine angst
als ich sah, hatte ich
angst vor dem finsteren
jetzt bin ich blind
und fühle mich wohl
komisch diese feststellung
machen zu müssen
verborgen bleiben mir
jegliche genüsse
von farben und licht
von schatten
die mir nichts machen
das zusammenspiel der natur
schauspiele wie beispielsweise
ein sonnenuntergang
solche dinge gehören
dem vergangnen an
für mich
vielleicht jedoch bald zukunft
es gibt licht und licht
licht draussen
licht drinnen
vielleicht sind es nur wieder
meine gedanken
die anfangen zu spinnen
aber jetzt wo ich nichts sehe
sehe ich mehr
sehe mit händen und ohren
hab kein sehlicht
aber trotzdem nichts verloren
sondern nur gewonnen
die verschiedenen sonnen
die mir die menschen geben
bereichern mir mein leben

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