Orientierung und Mobilität (O+M)
Das Ziel der Bestrebungen im Fachgebiet der Orientierung und Mobilität (O+M) ist es, dass sich die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen selbstbewusst, aber mit dem nötigen Respekt vor möglichen Gefahren sicher, zielstrebig, selbständig und niemanden gefährdend auch in komplexen Verkehrssituationen fortbewegen können – sogar in unbekannter Umgebung.
Dies versuchen wir zu erreichen, indem wir positive Einstellungen und Haltungen, wirksame Strategien und Methoden und jederzeit anwendbare Fertigkeiten, Fähigkeiten/Techniken fördern.
Eine gute Orientierung und Mobilität beginnt mit einer klaren Vorstellung vom eigenen Körper, einer sicheren Bewegungskoordination, einer umfassenden Sinnesschulung, einem intakten Raumlageempfinden und einem guten räumlichen Gedächtnis. Die O+M-Förderung setzt deshalb an diesen Punkten idealerweise bereits bei kleinen Kindern an, wobei hier Frühförderung, Psychomotorik, Rhythmik, Turnunterricht usw. wichtige Unterstützungsfunktionen erfüllen. Die Förderung richtet sich zunächst auf den körpernahen Bereich (multisensorische Erfassung des Nahraumes; sich organisieren am Arbeitsplatz, Ordnungs- und Suchtechniken; Orientierungshilfen jeglicher Art) und schliesst sowohl Grob- wie Feinmotorik ein. Schritt für Schritt werden weitere räumliche Bereiche erarbeitet: das Schulgebäude, darauf dessen unmittelbare Umgebung und anschliessend weitergefasste Gebiete. Schon bald lernt das Kind Gedächtnistechniken und taktile Reliefpläne als Orientierungshilfen und für die Unterstützung der räumlichen Begriffsbildung kennen. Die Bildung einer geistigen Landkarte mit Hilfe einer Aufbaureihe vom Modell zum Reliefplan durch die tastenden Hände ist eine Übertragungsleistung, die immer wieder und an zunehmend komplexeren Situationen geübt wird. Schliesslich gehört zur Selbständigkeit in O+M auch die soziale Fähigkeit zur Kontaktaufnahme mit Passanten, deren Hilfe angenommen oder abgelehnt werden darf.
Wenn bis hierher konsequente Aufbauarbeit geleistet wurde, sind die weiteren Lernschritte zur Horizonterweiterung wie z.B. Quartier, Dorf, Stadt, öffentliche Verkehrsmittel, Einkaufen einschliesslich das Kennenlernen und Vertrautwerden mit blindengerechten baulichen Massnahmen gegeben. Der O+M-Unterricht kann je nach Verlauf der Sehschädigung oder veränderten Anforderungen an die Mobilität zu jedem Zeitpunkt des Schul- und Vorschulalters einsetzen.

